Vorhang auf! Rollenspiele für den Deutsch-Unterricht
Ärger im Unterricht
PERSONEN:
8 Schauspieler
Frau Schwab (die Deutschlehrerin)
Schüler: Peter, Karl, Otto, Julia, Mitzi, Maria
Herr Zimmer (der Schulleiter)
BÜHNENBILD:
Ein Klassenzimmer mit Tafel, Pult, 6 Schulbänken und einer Tür
REQUISITEN:
Kreide, Federmäppchen, Schultaschen, eine Wandkarte von Europa, ein Zeigestab, ein Notizblock, Textbücher, ein Tennisschläger.
VORHANG AUF:
Frau Schwab, die Deutschlehrerin steht vor ihrer Klasse. Die Schüler sitzen an ihren Bänken. Eine groβe Europakarte hängt an der Wand oder der Tafel neben Frau Schwab.
FRAU SCHWAB: Guten Morgen, liebe Schüler. Heute lernen wir etwas über die Länder Europas und ihre Hauptstädte. Dazu braucht ihr eure Geographiebücher und die Landkarten.
KARL: (meldet sich)
FRAU SCHWAB: Ja, Karl?
KARL: Ach, Frau Schwab, ich hab’ mein Geographiebuch nicht dabei.
FRAU SCHWAB: Also, Karl, wo ist denn dein Geographiebuch?
KARL: Ich weiβ es nicht – aber hier habe ich mein Mathematikbuch!
FRAU SCHWAB: Das hilft dir nicht! Wir haben jetzt nicht Mathematik, sondern Geographie.
KARL: Es tut mir Leid, Frau Schwab.
FRAU SCHWAB: Mitzi, du hast doch dein Geographiebuch, oder? (Pause und Blicke, während KARL geräuschvoll neben MITZI rückt) Gut. Heute lernen wir etwas über die Länder Europas und ihre Hauptstädte. Ihr wisst bereits, dass dieser groβe Kontinent Europa heiβt. Also, (blickt sich um) Maria, wie heiβt dieses Land?
MARIA: (unsicher) Ist das Österreich?
FRAU SCHWAB: Ja, sehr gut. Und wie heiβt die Hauptstadt von Österreich? (Es klopft an der Tür) Herein, bitte.
HERR ZIMMER: (kommt herein, die Schüler stehen sofort auf, FRAU SCHWAB wird ein bisschen nervös und formell)
FRAU SCHWAB: Ah, Herr Zimmer! Was für eine Überraschung!
HERR ZIMMER: Frau Schwab, bitte entschuldigen Sie. Ich will Ihren Unterricht nicht unterbrechen, aber, ist – (schaut auf seinen Notizblock) Maria Schmidt in dieser Klasse?
FRAU SCHWAB: Ja, hier ist sie.
HERR ZIMMER: Maria, deine Mutter ist in meinem Büro. Du hast einen wichtigen Termin…
MARIA: Ach, ja. Ich habe einen Termin beim Zahnarzt. Auf Wiedersehen, Frau Schwab. Wir sehen uns morgen (packt ihre Büchertasche ein und geht).
FRAU SCHWAB: (ruft ihr hinterher) Maria, nimm dein Geobuch mit. Du kannst deine Aufgabe beim Zahnarzt lesen. – Otto, beantworte du die Frage.
OTTO: (zögert) Welche Frage?
FRAU SCHWAB: Die Frage lautet: ’Wie heiβt die Haotstadt von Österreich?’
OTTO: Es tut mir Leid. Das weiβ ich nicht. Auf welcher Seite im Buch sind wir denn?
FRAU SCHWAB: Otto, du musst aufpassen. Wir sind auf Seite 156.
OTTO: Danke, Frau Schwab (findet die Seite und liest). Die Hauptstadt von Frankreich ist Paris.
FRAU SCHWAB: Sehr gut, Otto, aber die Frage lautet: ’Wie heiβt die Hauptstadt von Österreich?’
OTTO: (will gerade antworten, als es erneut an der Tür klopft)
FRAU SCHWAB: (ein bisschen ärgerlich) Ja bitte, herein!
HERR ZIMMER: (kommt herein, die Schüler stehen sofort auf, FRAU SCHWAB is erstaunt)
FRAU SCHWAB: Guten Tag, Herr Zimmer – was nun?
HERR ZIMMER: Bitte Entschuldigen Sie! Ich will nicht schon wieder stören, aber – (schaut auf seinen Notizblock) ist Otto Hermann in Ihrer Klasse?
FRAU SCHWAB: Ja, da ist er.
HERR ZIMMER: Sehr gut. Otto, bitte komm mit in die Sporthalle. Wir wollen die Tennis-Mannschaft fotografieren.
OTTO: Das sind die Bilder für das Jahrbuch, nicht wahr?
HERR ZIMMER: Ja. (Schaut auf die Uhr) In zehn Minuten soll es losgehen.
OTTO: Dann brauche ich meinen Tennisschläger. (holt seinen Tennisschläger unter der Bank hervor – fragt die Mitschüler) Wie sieht meine Frisur aus? Bis morgen, Frau Schwab. Auf Wiedersehen’ (läuft hinaus)
FRAU SCHWAB: (ruft ihm nach) Aber Otto, wie heiβt die Haotstadt von – (die Tür fällt ins Schloss, Stille, dann sagt FRAU SCHWAB trocken) Die Hauptstadt von Österreich heiβt Wien. (seufzt) Also, machen wir weiter. Hier seht ihr ein Land in der Mitte des Kontinents. (zeigt auf Deutschland). Wie heiβt es denn, Peter?
PETER: (aufgeregt, weil er nicht aufgepasst hat) Ah – ich heiβe Peter.
FRAU SCHWAB: Was sagst du da? Nein Peter, nicht ’Wie heiβt du?’ sondern ’Wie heiβt dieses Land?’
PETER: Ach so – (denkt nach) Ist es – Deutschland?
FRAU SCHWAB: Ja! Das ist Deutschland! (zur Klasse) Und, wer weiβ, wie die Haupstadt von Deutschland heiβt?
PETER: (meldet sich aufgeregt)
FRAU SCHWAB: Ja, Peter.
PETER: Wird die Basketballmannschaft heute auch noch fotografiert?
FRAU SCHWAB: Peter, dies hier ist nicht die Sportstunde. Ich weiβ es nicht. Du bist in der Geographiestunde. Nun, nochmals, was ist – (wieder wird sie von einem Klopfen unterbrochen, sie ruft verärgert) Wer ist da?
HERR ZIMMER: Bitte entschuldigen Sie, Frau Schwab. Ich will nicht schon wieder stören (lächelt und ignoriert FRAU SCHWABs Verärgerung), aber ist – (schaut auf den Notizblock) Peter Heller in Ihrer Klasse?
FRAU SCHWAB: Ja, hier ist er.
HERR ZIMMER: Peter, wir haben ein Problem mit deiner Mathematikprüfung. Du musst sofort zu deinem Mathelehrer. Bring dein Mathematikbuch, dein Heft, deinen Bleistift, und deinen Rechner mit.
PETER: Ja, Herr Zimmer.
FRAU SCHWAB: (schaut niedergeschlagen zu, wie PETER die Klasse verlässt, schaut die drei übrigen Schüler an und fragt dann mit gespielter Freundlichkeit) Also, Julia, welche Stadt ist die Hauptstadt von Deutschland?
JULIA: (liest aus dem Textbuch vor) Deutschland ist ein Land in Europa.
FRAU SCHWAB: Richtig, Julia. Aber, wie heiβt die Hauptstadt von Deutschland?
JULIA: Die Hauptstadt von Deutschland heiβt – (wird unterbrochen, weil die Tür auffliegt)
HERR ZIMMER: (kommt aufgeregt herein) Pardon, Frau Schwab. Ich will Sie nicht schon wieder stören, aber ist – (schaut auf den Notizblock) Julia Schwarz in dieser Klasse?
FRAU SCHWAB: (überrumpelt) Ja, sie ist hier.
HERR ZIMMER: (atemlos, winkt mit den Armen) Komm schnell in den Biologieraum. Da ist vielleicht was los! Dein Experiment! Komm schnell!
JULIA: (springt entsetzt auf) Herr Zimmer, ist was mit meinen Schlangen los?
HERR ZIMMER: Genau! (atmet tief durch und versucht sich zu beherrschen) Deine Schlangen sind nicht mehr im Terrarium. Sie sind überall, auf den Schreibtischen, in den Computern … und gleich sind sie auch noch in der Cafeteria und in der Bibliothek.
JULIA: Ach, wie schrecklich! Meine Schlangen! Auf Widersehen, Frau Schwab. (JULIA und HERR ZIMMER verlassen schnell den Raum)
KARL: (erwacht plötzlich, springt auf) Schlangen! Wirklich? Furchtbar! Jetzt sind Sie in der Cafeteria? Ich muss sie sehen! Julia, warte auf mich! Ich geh’ mit dir. (läuft zur Tür, stoppt, dreht sich zu FRAU SCHWAB um) Entschuldigen Sie mich bitte. Bis morgen (läuft hinaus).
FRAU SCHWAB: (macht eine Pause und schaut ihre einzige und sehr konzentrierte Schülerin an) Mitzi, wie heiβt die Hauptstadt von Deutschland?
MITZI: (meldet sich sehr selbstbewusst)
FRAU SCHWAB: (verzweifelt) Mitzi, warum meldest du dich denn? Schau dir unsere Geoklasse an. Es sind keine anderen Schüler mehr da! Maria ist im Büro, Ott ist in der Sporthalle, Peter ist in der Matheklasse, Julia ist im Bioraum, und wer weiβ wo Karl ist! Schau, Mitzi, du bist die einzige Schülerin in der Geographieklasse … und deshalb frage ich dich – wie heiβt die Hauptstadt von Deutschland?
MITZI: (schaut sich um) Oh. (Steht umständlich mit dem Buch in der Hand auf) Frau Schwab, die Hauptstadt von Deutschland ist – (wird von der Schulglocke unterbrochen) Ach! Die Pausenklingel! Die Geographiestunde ist vorbei! Jetzt habe ich Geschichte. (geht hinaus)
FRAU SCHWAB: (spricht zu den leeren Bänken und zeigt auf die Karte) Sie heiβt Berlin … die Hauptstadt von Deutschland heiβt Berlin!
